"Ein Toter im Bürohaus"

Ich erinnere mich mal wieder an meine
aktive berufliche Tätigkeit. Heute kommt
eine nicht so schöne Erinnerung dran.

Ich nenne dieses Erlebnis mal
"Ein Toter im Bürohaus".

Das Ganze spielte sich schon vor mehr
als vor 20 Jahren ab und ist in die Rubrik
"der Holzmichel als Mädchen für Alles"
einzureihen.

Und zwar in meiner damaligen....



...Arbeitsstätte, einer Behörde der Stadt München.
Was war geschehen?

Ich hatte seinerzeit mein Büro im Parterre dieses
Hauses war aber als Betriebsverwalter für das ganze Haus
zuständig. Ich musste also im ganzen Haus präsent sein.
Eines Tages ging  ich in den 3. Stock des Hauses. Es war
an einem Vormittag während der Parteienverkehrszeiten.
Plötzlich sah ich einen Mann auf dem Gangfußboden
liegen, der sich nicht mehr bewegte.
Ich bin sofort zu ihm hin gelaufen und wollte  ihm
helfen, dass er wieder aufsteht und seinen "Behördengang"
fortsetzen kann. Ich merkte, dass dieser Mann sich nicht
mehr rührte und auch auf Ansprache nicht mehr reagierte.
Ich vermutete sogleich, dass da was ernsteres vorliegen könnte.
In meiner Hast und Aufregung, erinnerte ich mich,
dass 2 Zimmer weiter eine Kollegin, die gerade eine
Heilpraktikerausbildung absolviert, ihr Büro hat.
Sie war zufällig in ihrem Büro und ich habe sie
sofort zu diesem "Leblosen" gerufen.
Frisch in der naturmedizinischen Ausbildung gewesen,
hat sie sofort gewusst, wie sie diesen leblosen am
Boden liegenden Mann "anpacken"  und helfen musste.
Plötzlich schrie sie ganz laut "Herzstillstand" und
hat mit der Wiederbelebung begonnen.
Ich selbst rief  vom nächsten Bürozimmer
aus sofort per Telefon den Notarzt an.
Der Einsatzzentrale hab ich noch gesagt, der Notarzt
möge sofort kommen, da ein Herzstillstand vorliege.
Der Einsatzleiter sagte noch "was ein Herzstillstand"
und sagte zu, dass er sofort einen Notarzt schicken werde.
Die künftige Heilpraktikerin, also meine Kollegin,
hat mit besten Kräften und aktuellem Wissen versucht
den bewußtlosen Mann wieder zu beleben. Ja, mit
Herzmassage und Atemspende etc.
Nach etwa 10 - 15 Minuten war halt der Notarzt noch
nicht da. Ich habe dann die Zentrale nochmals angerufen
und dringend um den Notarzt gebeten und nochmals
auf den schlimmen Zustand des Herzstillstandes
hingewiesen.
Nach weiteren 5  Minuten war der Notarzt
dann auch da. Ich habe noch vorsorglich am
Hauseingang einen Kollegen postiert, der den
Notarzt dann so schnell wie möglich in den
3. Stock zu dem Kranken hinführen konnte.
Der Notarzt hat dann alles mögliche versucht
den Leblosen wieder zu reanimieren.
Aber .... alles umsonst, der Mann konnte
nicht mehr reanimiert werden. Er war
also zwischenzeitlich nicht
nur tot sondern gar "mausetot".
Ich habe dann den Toten in ein leeres
Bürozimmer legen lassen. Nach etwa
3 Stunden wurde er dann vom
Bestattungsdienst abgeholt.

Ich habe dann noch feststellen können,
dass es sich bei dieser Person um einen
55 jährigen Münchner handelte, der
in unserer Behörde einen Antrag abgeben
wollte. Nachdem seine Personalien bekannt
waren, wurden auch seine Angehörigen verständigt.
Nach dieser Aufregung ist mir dann durch
den Kopf gegangen, warum ist der Notarzt
so spät gekommen, war das nicht zu spät
und das war wohl der letzte
Behördengang dieses Münchners gewesen.
So ein Schicksal oder auch so ein Pech!

Als ich in der nächsten Woche dann seinen
Namen in einer Tageszeitung unter den Bestattungen 
in einem Friedhof in München gelesen habe, war
mir dann endgültig klar, dass dieser
"Behördengänger" tatsächlich tot war.

Also eine nicht so angenehme Erinnerung
ist das, aber solche Sachen gehören halt auch
zum alltäglichen Leben dazu.

 

März  2008