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In den 50.er Jahren hatten
ein verheirateter Mann und eine ledige Frau regelmäßig
im Hotel Eden in München, direkt am Hauptbahnhof,

ihre "Schäferstündchen"
absolviert.
Zum damaligen Zeitpunkt doch ein von den Kirchen und auch von der Gesellschaft
als Sünde oder grobes Fehlverhalten eingestuft.
Eines Tages hatte es jedoch nach dem Liebesspiel zwischen dem Pärchen
einen heftigen Streit gegeben.
Dieser endete damit, dass der Mann eben diese Frau erwürgt und getötet hat.
In seiner Rage hat er der Toten rundum Maiglöckchenblumen im Bett ausgestreut.
Schließlich hat er ihr "unten" noch ein Maiglöckchen hineingesteckt.
Daher der Name
"Maiglöckchenmörder".

Da es sich hier um
eine Beziehungstat handelte, wurde der Mörder sehr schnell
von der Polizei verhaftet und später zu lebenslänglicher Haft
wegen Mordes verurteilt.
Er saß seine Haft im Gefängnis in Straubing ab.
Wie es so üblich war bzw. ist, werden auch Mörder bei guter Führung
nach 15
Jahren wieder in die Freiheit, also ins normale Leben, zurückgeschickt.
Die
Entlassung von ihm war Mitte der 60.er Jahre.
Nun kommt die Erinnerung von
mir an diesen Maiglöckchenmörder:
Zu Beginn meines Berufslebens bei der Stadt München war ich beim Ordnungsamt,
genauer gesagt beim damaligen Amt für öffentliche Ordnung, eingesetzt.
Ich wurde
alsbald
Gruppenleiter einer Außenstelle in München im Ortsteil Ramersdorf.
Ich war damit hauptsächlich beschäftigt, von Bürgern/innen von Ramersdorf die
polizeilichen Anmeldungen durchzuführen und auch neue Ausweispapiere
wie Pass und Personalausweis auszustellen.
Ja und genau dies brauchte der Maiglöckchenmörder eben
nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis Straubing.
Also kam er zu mir in die Dienststelle.
Ich habe seinerzeit sofort gemerkt, dass ich einen Promihäftling vor mir habe.
Also ein
etwa 45 Jahre alter Mann, gut gepflegt, sympathisch und redegewandt.
Mit ganz normalem Aussehen.
Da ich damals doch recht jung und "sehr neugierig" war,
hat er mir einiges aus seinem Leben freimütig erzählt.
Der Tenor seiner Erzählungen war, dass er seinen Mord von damals sehr bereut
habe.
Die lange Haft war für ihn zwar anstrengend aber hatte auch viele Ereignisse,
die für ihn nicht unbedingt schädlich waren.
Am meisten hat ihm geschadet, dass sein Leben aufgrund des Mordes und der
langen
Haft einen ganz anderen Weg wie gewollt genommen hat.
Er habe die lange Haft
als Strafe aber akzeptiert.
Nun war er, der Maiglöckchenmörder, wieder ordnungsgemäß polizeilich gemeldet.
Nach 3 Wochen hat er dann auch seinen neuen Personalausweis wieder bei mir
abgeholt.
So konnte er seine Freiheit wieder genießen.
Nach etwa 1 Jahr ist der "Maiglöckchenmörder" dann in einen
anderen Stadtteil
von München und damit aus meinem
Zuständigkeitsbereich verzogen. Ich hörte dann nichts mehr
von ihm.
Vor ein paar Wochen, also gut 40 Jahre später, traf ich zufällig einen
pensionierten Handwerker,
der mir
erzählte, dass er eben in dem besagten
Hotel Eden als Hausmeister, also als Mädchen
für alles, tätig war.
Wir kamen dann ganz schnell auf den besagten Mordfall in diesem Hotel zu
sprechen.
Der Handwerker konnte sich noch recht gut an den Mord damals erinnern.
Er erzählt seine Erinnerungen, wie die junge Frau seinerzeit im Hotelzimmer tot
aufgefunden wurde und besonders die ausgestreuten Maiglöckchen auffielen.
Ja, solche Zufälle gibt es halt im Leben, dass man einen Zeitzeugen zufällig
trifft
und die ganze Sache nochmals sich besprechen und erinnern lässt.
Dieses Zusammentreffen seinerzeit mit dem Maiglöckchenmörder
habe ich eigentlich nie vergessen.
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